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Lidl und Bioland machen jetzt was Gemeinsames. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert!

Januar 19, 2019 12 min read No Comments

Lidl und Bioland machen jetzt was Gemeinsames. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert!

Januar 19, 2019 12 min read No Comments

Es ist wahr! Lidl und Bioland kooperieren

Vor ein paar Tagen sah ich ein Werbeplakat von Lidl, auf dem ganz großartig mit den neuen Bioland Produkten für das Sortiment geworben wurde. Es war im üblichen Lidl Tenor verfasst und zeigte unter anderem vier absolut perfekte, gleich aussehende Äpfel in Plastik eingepackt für nur gaaaaanz wenig Geld. Mich überkam spontan eine Gefühlsmischung von Enttäuschung, Resignation und Wut und ich beschloss, diesen Artikel zu schreiben. Nicht mal eine Stunde später hatte ich Anfragen an Lidl und Bioland mit meinen Fragen verschickt und auf Instagram lief bereits die Diskussion mit Euch. Heute, eine Woche später habe ich noch mehr recherchiert und auch eine Antwort von Lidl erhalten. Auch Bioland hat sich gemeldet und mir eine Antwort für nächste Woche versprochen, wenn die Grüne Woche vorbei ist. Unser Beziehungsstatus ist in der Zwischenzeit von „Geht gar nicht“ zu „Es ist kompliziert“ gewechselt. Warum genau, kannst du in dem Artikel nachlesen.

Photo by Veronika Koroleva on Unsplash

Ein Discounter mit aggressiver Preispolitik und ein Bio-Anbauverband mit hohen Standards. Wie passt das zusammen?

Ehrlich, mein allererster Gedanke, als ich von der Kooperation zwischen Lidl und Bioland gehört habe, war, dass Lidl doch nur Greenwashing betreiben will und, dass das Ganze ein schlechter Scherz der Marketing Abteilung ist. Es gibt ja auch Berichte darüber, dass Kaufland gerade versucht mit Demeter zusammenzuarbeiten. Nicht lustig! Wann immer ich mich mit Freunden oder Kollegen über Biolebensmittel austausche, lautet die vorherrschende Meinung, dass das alles nur Geldschneiderei ist. Alles Humbug, um den Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Noch 2015 war Lidl im Vergleich von Rank a Brand mit der Bewertung E einer der schlechtesten Discounter beim Thema Nachhaltigkeit. Auch wenn erkannt wurde, dass immer mehr Menschen das Thema gesundes Essen, faire Anbaubedingungen und artgerechte Tierhaltung wichtig sind. Die Supermärkte geben kaum transparente Informationen raus und es gibt immer wieder Kritik an der Preispolitik. Diese Mentalität, dass alles immer günstiger sein muss, führte am Ende nur dazu, dass Lebensmittel von vielen Menschen nicht mehr wertgeschätzt werden und wir den Kontakt zu den Erzeugern verloren haben. Es wird viel zu viel weggeworfen. Dazu kommt, dass die abgepackten Einheiten von Obst oder Gemüse die Käufer fast schon zwingen, mehr zukaufen, als tatsächlich benötigt wird und über die Qualität von Fleisch mit einem Kilopreis von 1,99 EUR brauchen wir gar nicht erst zu sprechen.

Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundesverbands Naturkost Naturwaren, sagte in einem Interview mit dem Südkurier : Ein Discounter, der für seine aggressive Preispolitik bekannt ist und ein traditionsreicher Bio-Anbauverband, der für Transparenz und faire Preise steht, passt nicht zusammen. Sie sieht ein Glaubwürdigkeitsproblem. „Lidl wird weiterhin 95 Prozent seines Umsatzes mit Produkten aus der Pestizid-Landwirtschaft machen und bei deren Erzeugern die Preise drücken.“ Sie fordert, Lidl solle zunächst die Probleme angehen, die der Großteil des Sortiments verursache. Und nicht durch eine aggressive Preispolitik in der konventionellen Landwirtschaft die in der Herstellung eigentlich teureren Bioprodukte quersubventionieren – um sie dadurch doch wieder billig anbieten zu können. Bioland dagegen betont, Lidl habe sich vertraglich dazu verpflichtet, die Bioland-Produkte nicht über den Preis zu vermarkten, sondern über die höhere Qualität. (QUELLE)

Was hat Bioland dazu bewogen mit Lidl zusammen zu arbeiten und woher kommt der Sinneswandel bei Lidl?

Nachdem ich Lidl angeschrieben habe und mehr über die Beweggründe wissen wollte, habe ich diese E-Mail erhalten:

Wir (Lidl) wollen (Anm.) hochwertige Bio-Produkte aus der Nische holen und Millionen von Verbrauchern den Zugang ermöglichen. Mit einem erweiterten Bioland-Angebot bieten wir unseren Kunden die Wahlmöglichkeit, mehr hochwertiges heimisches Bio zu kaufen. Wir ergänzen damit ideal unser Sortiment und können gleichzeitig auch neue Zielgruppen ansprechen. Für Landwirte ist die Kooperation eine Chance, ihre Betriebe zukunftsfähig weiterzuentwickeln und fair vergütet zu werden. Gemeinsam mit Bioland können wir über eine gesteigerte Nachfrage weitere Betriebe zur Umstellung auf den ökologischen Landbau motivieren. Celina Straub, EK_KMK@lidl.com; Referenz #41978821: Ihr Anliegen;

Der Geschäftsführer des Bioland Landesverbandes NRW, Jan Leifert hat in einem anderen Interview folgendes gesagt: „Unser gemeinsames Ziel ist es, den ökologischen Landbau zu fördern und voranzubringen. Nicht, weil es um Profite oder Wachstum geht – sondern weil es eine Notwendigkeit ist. Je mehr Betriebe auf diese Art der Landbewirtschaftung umstellen, desto mehr profitieren Umwelt, Nutztiere und die Verbraucher.“ (Quelle) Damit erklärt Bioland übrigens auch die Zusammenarbeit mit Edeka und in Zukunft sicherlich noch mehr Discountern.

Die Zusammenarbeit von Bioland und Lidl bieten eine Chance für Veränderung, wenn sie es ernst mit der Nachhaltigkeit meinen. Das ist unsere geringste Forderung Klick um zu Tweeten

Haben wir überhaupt genug Anbauflächen, um alles in Bio anzubauen?

In Gesprächen über die Notwendigkeit von der Umstellung auf Biolandbau kommt häufig auch das Argument aus, dass es gar nicht genug Anbaufläche dafür gäbe. Dieser Frage sind 11 Wissenschaftler in einer Studie 2017 nachgegangen.

Die Forscher fanden heraus, dass die heutigen Anbauflächen ausreichen, um bis 2050 weltweit komplett auf Bio umzustellen – und trotzdem genug Nahrung für alle zu haben. Voraussetzung dafür ist es jedoch, dass die Lebensmittelverschwendung mindestens um 50% reduziert wird und das der Fleischkonsum halbiert wird, da die Anbauflächen für Tiernahrung und Obst und Gemüse für Menschen miteinander konkurrieren. Mit anderen Worten, unser hoher Fleischkonsum nimmt uns wertvolles Land für den Gemüseanbau und erzeugt auch noch einen Überschuss an Nitrat, das unser Grundwasser verseucht. Also deutlich weniger Fleisch essen und es wieder zu etwas Besonderem zu machen und weniger Essen einfach wegwerfen, um weltweit alles Menschen mit Bioprodukten versorgen zu können. Das klingt total einfach. Was meinst du?

Die Zusammenarbeit von Bioland und Lidl bietet eine Chance für Veränderung

Ich gebe zu, dass ich im Laufe dieser Woche, nachdem ich mich immer mehr mit dem Thema beschäftigt habe, meine erste Reaktion auf die Zusammenarbeit von Lidl und Bioland verändert habe. Mit der Recherche zu diesem Artikel ist mir aufgefallen, welche Chance sich hier bietet. Wenn Lidl und andere Discounter um Kunden wie uns kämpfen, die sich bisher immer abgestoßen gefühlt haben von dem pestizidverseuchten, Billig-Ramsch und seit Jahren für mehr Bio kämpfen, dann ist das eine Chance. Biolebensmittel sind kein Privileg für eine wohlhabende Mittelschicht, sondern müssen allen Menschen ermöglicht werden.

Bisher wird uns von der Agrarlobby,  dem Landwirtschaftsministerium, derzeit geführt von Julia Glöckner und solchen Firmen wie Monsanto, Bayer & Co immer wieder eingeredet, dass die Menschen nur ausreichend ernährt werden können, wenn eine industrialisierte Landwirtschaft betrieben wird. Eine Art von Landwirtschaft, die die größten Erträge bringt und am effizientesten Boden und Saatgut bearbeitet. Das ist natürlich Quatsch und mittlerweile auch in verschiedenen wissenschaftlichen Studien belegt. Diese Art von industrialisierter Landwirtschaft zerstört die Umwelt und entzieht uns langfristig die Lebensgrundlage, da sie ausgelaugte Böden hinterläßt, das Grundwasser mit Nitrit überlastet, die Artenvielfalt zerstört und in den Kreislauf der Natur eingreift. Die Grüne Revolution, wie sie gerne bezeichnet wird, hat dazugeführt, dass Erzeuger und Verbraucher beinah den Kontakt verloren haben. Es hat dazu geführt, dass viele einheimische Obst- und Gemüsesorten nicht mehr bekannt sind und demzufolge kaum mehr nachgefragt werden und das unsere Kinder mit einem Geschmackssinn aufwachsen, dem die Vielfalt verloren geht. Das kann alles nicht unser Ziel sein. Oder?

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“ – Mahatma Gandhi

Das sind die Forderungen, die wir als Verbraucher jetzt stellen müssen:

Heute am 19.Januar protestieren in Berlin wieder Tausende Menschen unter dem Motto „Wir haben es satt“ für eine Wende in der Agrarpolitik und für eine bessere Zukunft mit gesundem Essen. Genauso, wie wir Forderungen an die Politik stellen müssen, können wir aber auch in unserem Alltag ganz einfach mehr Nachhaltigkeit einbauen. Die Supermärkte, Discounter und Bauern auf dem Wochenmarkt, richten sich in ihrem Angebot nach dem was wir als Kunden nachfragen und letztendlich kaufen. Mit dem Aufkommen der Diskussion, um die Agrarindustrie und dem geplanten Wandel von Discountern, bietet sich uns eine Chance, die Veränderung schneller und nachhaltiger zu verwirklichen.

Alles was du jetzt tun musst ist:

  • Verzichte auf Plastikverpackungen. Kein Mensch braucht in Plastik verpackte Bohnen, Tomaten & Co. Unsere Lebensmittel sind von Natur aus geschützt und wir haben es seit Ewigkeiten ohne Plastikverpackungen geschafft zu überleben. Das schaffen wir auch weiter.
  • Kauf keine vorgegebenen Mengeneinheiten, sondern nur so viel wie du wirklich benötigst. Erstens sparst du damit in der Regel Geld, denn die Verpackungseinheiten nützen meistens dem Händler mehr als dir. Zweitens vermeidest du damit von vornherein, dass du Lebensmittel wegwerfen musst, weil du sie nicht aufbrauchen kannst.
  • Wenn du es dir leisten kannst, dann greife wo immer es möglich ist zu Bioprodukten. Solange die Nachfrage nach Bioprodukten immer mehr steigt, werden auch immer mehr Landwirte auf Bio umstellen. Warum es auch für deine Gesundheit und sogar dein Geld besser ist, kannst du in dem Artikel über nachhaltig und gesund essen  nachlesen.
  • Frage, wann immer du kannst, auch mal alte oder ungewöhnliche, heimische Obst und Gemüsesorten nach. Also zum Beispiel Topinambur, gelbe Rüben, Quitten und all die anderen Sorten, die unsere Eltern und Großeltern noch kennen. Denn diese alten Sorten sind perfekt für unsere Gesundheit und bieten sehr viel mehr Geschmackserlebnisse als immer nur Gurken, Tomaten, Paprika oder Zucchini. Was nicht heißen soll, dass die nicht gut sind. Im Gegenteil, sie sind fantastisch – im Sommer, wenn sie bei uns ganz natürlich reifen.
  • Reduziere deinen Verbrauch von Fleisch, Wurst und tierischen Produkten. Sorry, falls du jetzt ein überzeugter Fleischesser oder Käseliebhaber bist, aber das musste ich jetzt schreiben. Wusstest du, dass die Herstellung von 1kg Rindfleisch genauso viel Wasser verbraucht, wie du in einem Jahr beim Duschen! Das ist der Wahnsinn und kommt nicht daher, weil die Kuh so durstig ist, sondern es kommt daher, weil für den Anbau von Futter für die Kuh soviel Wasser benötigt wird. Obendrein, geht für den Anbau von Futter wertvolles Land verloren, auf dem auch Obst und Gemüse für uns angebaut werden könnte.

Mit deinem Einkauf, deiner Nachfrage und den Gesprächen mit Freunden, Kollegen und Familie über das Thema, schickst du eine Botschaft an Lidl, Kaufland, Rewe und wie sie alle heißen, die von den Marktforschern und Marketingabteilungen seismografisch aufgenommen wird.

Meine Botschaft an die Lebensmittelhändler lautet ganz klar:

  • Wenn ihr mich als Kunden haben wollt, dann nutzt eure Marktmacht und stellt euch endlich hinter die Verbraucher und gegen die Agrarlobby. Unterstützt eure Kunden in der Forderung nach Lebensmitteln, die uns und den Planeten gesund halten.
  • Ist es euch wirklich Ernst mit der nachhaltigen Zukunft, dann informiert über die Notwendigkeit weniger Fleisch zu essen und unterstützt den bedarfsgerechten Einkauf in dem ihr auf Verpackungen verzichtet.
  • Fangt nicht wieder an den Preis als alleiniges Merkmal zu sehen, denn sonst nehmen die Landwirte Schaden.
  • Nutzt eure Größe, um die Verbraucher über die richtige Erzeugung von Lebensmitteln, regionale Besonderheiten und das saisonale Angebot zu informieren.

Fazit & Ausblick

Es ist Bewegung in den Lebensmittelmarkt gekommen und wir sollten das nutzen!

Das Ziel von Lidl, der größte Nachhaltige Discounter zu werden ist meiner Meinung nach eine Marketingaktion, die aber auch die Chance bietet, wirkliche Veränderungen in Gang zu setzen. So wie es sich momentan für mich darstellt wird Nachhaltigkeit mal wieder komplett verunglimpft und erhält einen negativen Touch, da viele Menschen einfach nur die höheren Preise und die größeren Gewinnmargen diskutieren. Das Ziel sollte es jedoch sein, Wertschätzung für die Arbeit der Erzeuger zu zeigen und Verbraucher und Erzeuger wieder näher zusammen zu bringen. Wir müssen endlich beginnen unsere Umwelt zu schützen, in dem wir eine wirklich naturnahe Landwirtschaft fördern und die Verschwendung von Lebensmitteln reduzieren.

In wissenschaftlichen Studien wurde Mittelweile mehrfach bewiesen, dass die gesamte Menschheit mindestens bis 2050 mit Biolebensmitteln versorgt werden kann, wenn wir 50% weniger Fleisch essen und wenn wir 50% weniger Lebensmittel wegwerfen. Für mich klingt das sehr realistisch und umsetzbar. Wie klingt es für dich? Was hälst du von der Kooperation von Lidl und Bioland?

 

Nachtrag:

Die Antwort von Bioland auf meine Anfrage kam leider erst nach Veröffentlichung von diesem Artikel, aber ich möchte sie gerne mit euch teilen, damit ihr euch ein eigenes Bild machen könnt. Vielen Dank Bioland für Eure Reaktion!

Welche Art von Produkten kommen in das Sortiment von Lidl und wie passt aus Sicht von Bioland eine Zusammenarbeit zwischen Discounter und Erzeuger von hochwertigen Lebensmitteln?

Bioland Lebensmittel sind seit mehr als 20 Jahren im klassischen Lebensmitteleinzelhandel verfügbar. Der Schritt nun mit Lidl zusammen zu arbeiten ist dennoch wohl überlegt. Wir haben intensive Gespräche mit Lidl geführt und uns deren Strukturen sehr genau angeschaut. Wir wollten sichergehen, dass unsere Bedingungen, Werte und Prinzipien erfüllt werden.  Im Entscheidungsprozess haben wir uns immer wieder gefragt, was wir insgesamt erreichen wollen. Nämlich einen umfassenden ökologischen Umbau der Land- und Lebensmittelwirtschaft. Wenn man diesen Prozess aktiv mitgestalten will, kann man nicht nur auf den LEH schimpfen. Besser wir als Verband gestalten im Sinne unserer Hersteller und Erzeuger den heimischen Biomarkt mit Qualitätsbio, statt die Entwicklung den Händlern alleine zu überlassen, wie man das in Nachbarländern wie Frankreich oder Österreich beobachten kann. Unser gemeinsames Ziel ist es also, den ökologischen Landbau zu fördern und voranzubringen. Nicht, weil es um Profite oder Wachstum geht – sondern weil es eine Notwendigkeit ist. Je mehr Betriebe auf diese Art der Landbewirtschaftung umstellen, desto mehr profitieren Umwelt, Nutztiere und die Verbraucher.

Seit Januar 2019 sind nahezu alle Molkereiprodukte der Lidl-Eigenmarke „BioOrganic“ wie Käse, Milch, Butter, Quark, Frischkäse und Joghurt mit dem grünen Bioland-Markenzeichen in allen deutschen Filialen erhältlich. Zeitgleich hat Lidl Weizen- und Dinkelmehl auf den hohen Bioland-Standard umgestellt. Damit bietet das Unternehmen rund ein Viertel des „BioOrganic“-Sortiments in Bioland-Qualität und verschafft mit seinen rund 3.200 Filialen Millionen von Verbrauchern Zugang zu den hochwertigen Bio-Lebensmitteln. Erste Bioland-Produkte wie Äpfel, Kresse und Gartenkräuter sind bereits seit November 2018 bundesweit erhältlich. Schrittweise wird das Bioland-Sortiment in vielen Bereichen kontinuierlich ausgebaut. Regional folgen Ende Januar weitere Artikel wie beispielsweise Apfelsaft.

Wie viel Bio-Obst & Gemüse wird von Bioland jährlich verkauft und was bedeutet das in Prozent für den Marktanteil?

Wir haben einen sehr differenzierten Handelssplit. Zum einen sehr viele Direktvermarkter, wie Hofläden oder Gemüsekisten-Lieferservices, viele Partner im Handwerk und viele hundert Partner beliefern darüber hinaus den Fachhandel und den Lebensmitteleinzelhandel. Aufgrund dieser Komplexität und Vielzahl an Akteuren, die nicht dazu verpflichtet sind uns ihre Vertriebszahlen mitzuteilen, können wir keine Daten dazu liefern.

Stimmt es tatsächlich, dass gar nicht so viel Bio-Lebensmittel erzeugt werden können, wie mit dem Bio-Siegel verkauft werden?

Die Nutzung von Bio-Siegeln ist einem strengen Kontrollsystem unterworfen. Dies gilt für das EU-Biosiegel wie auch für unser Bioland-Logo. Wo Bioland drauf steht ist auch Bioland drin. Kunden, die Bioland-Erzeugnisse kaufen können sich auf hochwertiges, heimisches Bio verlassen.

Um das Ziel von 20 Prozent Ökolandbau bis 2030 zu erreichen, wird ein grundlegender Umbau der Landwirtschaft benötigt. Immer mehr Landwirte erkennen die Vorteile eines ökologischen Anbaus beziehungsweise wagen aufgrund des neuen Bewusstseins bei den Verbrauchern den Schritt, ihren Betrieb ökologisch umzustellen. Es stehen also vielmehr immer mehr Erzeugnisse zur Verfügung, die auf den Markt gebracht werden wollen.

Es wird ja oft kritisiert, dass die Preispolitik der Discounter und Lebensmittelhersteller die kleinen Erzeuger kaputt machen. Gerade hat die Heinrich Böll Stiftung im Agrarbericht 2019 darauf hingewiesen, dass durch die EU Unterstützung viele Klein- & Mittelständler aufgeben müssen. Und jetzt arbeitet ihr als einer der vertrauenswürdigen Erzeuger ausgerechnet mit Lidl zusammen. Wieviel Einfluss hat Lidl jetzt auf die Preise und wie passt  das mit der Vereinssatzung von Bioland zusammen?

Wir stehen für eine Art der Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung, die wir für die zukunftsfähige Methode halten, die Menschheit langfristig zu ernähren und dabei unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Dass sich der Vertriebskanal ändert und die Verbrauchergruppe vergrößert ändert nichts an unseren Richtlinien und Grundprinzipien, trägt aber dazu bei „Bio für alle“ weiter voranzutreiben. Nach unseren Richtlinien und Werten muss sich jeder unserer Handelspartner richten. Dazu gehört auch unser Schwerpunkt als Bioland Verband auf die heimische Produktion.

Bei der Preisgestaltung der Lidl-Waren können und dürfen wir aus kartellrechtlichen Gründen nicht mitreden. Lidl hat sich mit uns jedoch vertraglich zu Fair-Play gegenüber den Lieferanten verpflichtet und zu auskömmlichen fairen Erzeuger- und Herstellerpreisen, die die Bioland Qualität in Wert setzen, damit eine nachhaltige Betriebsentwicklung aller Akteure einer Wertschöpfungskette möglich ist. Als Rahmen hat Bioland Fair-Play-Regeln festgelegt und eine Ombudsstelle eingerichtet. Die Einrichtung so eines Verfahrens eines Erzeugerverbandes ist einzigartig und dass Lidl sich darauf eingelassen hat unterstreicht deren Ernsthaftigkeit. So wird ein maximaler Schutz der Lieferanten erreicht.

 

 

 

Das Thema Essen ist mittlerweile so emotional aufgeladen und jeder kann da mitreden. 
Was meinst du? Ist ein Wandel möglich? Diskutiere mit und hinterlasse einen Kommentar

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